Konzerte im Dutzend nicht immer billiger
Quelle: Mousonturm, Norbert Krampf, Liebieghaus, Jazz Montez©

Vier Musik-Orte

Im Dutzend nicht immer billiger

Jazz Montez, Summer & Secret Garden

Musik im Freien geniessen. Die immer wärmer werdenden Sommer und Corona natürlich haben
das zu einer Selbstverständlichkeit gemacht. Nachdem die letzten beiden Jahre Großereignisse zu
denen ja auch Musikkonzerte gehören, der Diktatur nächtlicher Ausgangssperren und hoher
Inzidenzzahlen zum Opfer gefallen sind, fi nden sie jetzt endlich wieder statt. Und für manch’
einen, der sich noch nicht in einen Konzertsaal wagt, ist dies die Möglichkeit, Kultur und Musik an
einem besonders schönen Ort zu besuchen.
Den Anfang der drei besonderen Orte, die man in Frankfurt in diesen Sommer auf jeden Fall
besucht haben muss, macht der Palmengarten. Zusammen mit dem angrenzenden botanischen
Garten und dem Grüneburgpark bildet er die grüne Lunge Frankfurts. Aus einer Bürgerstiftung
hervorgegangen, zentral im feinen Westend gelegten, beherbergt er neben üppigen
Gartenanlagen die legendäre Konzertmuschel, wo schon seit über 60 Jahren Konzerte statt fi nden,
die mit dafür verantwortlich sind, das Frankfurt seinen Ruf als Jazzstadt begründen konnte.
Dieses Jahr fi ndet dort wieder jeden Dienstag „Summer in the City“, eine Konzertreihe des
Künstlerhaus Mousonturm statt. Ein Konzertbesuch lohnt sich auf den Fall, gibt doch die
Eintrittskarte die Gelegenheit, vorher noch über das Gelände eines der größten Gärten
Deutschlands zu schlendern und danach als 2for1-Gutschein, die Eindrücke noch zu vertiefen.
Die Musik bewegt sich an den Schnittstellen von Folk, Jazz und Avantgarde und ist gut hörbar
und oft so gewählt, dass sie auch mal als Anlass geben kann, neu Hörgewohnheiten
auszuprobieren. Mit dem kanadischen Singer/Songwriter Rufus Wainwright und dem etablierten
französischen Schlagzeuger Manu Katche erö ff nen gleich zwei international renommierte Stars
den Sommer. Das Sommerprogramm enthält sogar von einer Lesung von Wolf Haas, dem
österreichischen Autor, dessen Sing Sang, seinen Kommissar Brenner beim Lesen zum Leben zu
erwecken unvergleichlich ist,. Das ollte man sich nicht entgehen lassen. Das ist Musik der
anderen Art, denn die Haase’ Lesemelodie ist einzigartig.
Geübte Konzertbesucher bringen sich eine Picknickdecke und Proviant in den Palmengarten mit,
lassen sich hinter den Bänken zwischen den Büschen nieder. Für das leibliche Wohl wird aber
auch vor Ort gesorgt. Die Konzerte fi nden bei jeder Witterung statt. Wer vor Jahren die Sängerin
Irma erlebt hat, die während eines plötzlich einsetzenden Platzregens fast das gesamte Publikum
auf die Bühne holte und einfach mit dem Programm weitermachte, weiß, dass das Wetter kein
Grund für einen Abbruch ist. Das ging freilich sich nur, weil die junge Französin, die über ihre
YouTube Kanal groß wurde , nur mit Gitarre und Laptop ausgerüstet auf der Bühne saß.
Es macht Orte besonders, wenn sie schön sind, wie der fast lauschig zu nennenden Garten der
Liebighaus Skulpturensammlung, aber auch wenn sie klein und fl exibel genug für das
Unvorhersehbare und das Spontane sind. So wie es neulich im Liebiggarten passierte, als die
sambische Sängerin Yvonne Male mit ihrem Afropop Unterstützung von einem der derzeit besten
Trompetern, dem Nigerianer Etuk Ubong bekam. Dieser weilte an diesem Abend unbeschäftigt in
Frankfurt und besuchte spontan das Konzert der Kollegin. Da er sein Instrument dabei hatte, kam
es zu einer schönen Einlage auf der Bühne.
Die Reihe LIEBIGHAUS Live- Open-Air- im Garten fi ndet noch bis Mitte September jeden
Donnerstag statt. Das Ticket berechtigt am gleichen Abend zum Eintritt in die Liebighaus
Skulpturensammlung. In der Pause kann man dann einen Blick auf Jahrtausende alte Mumien
oder die einzigartige weiße Sammlung „Splendid White“ werfen. Die bunten Götter sind ja derzeit
nach New York ausgeliehen, aber das fällt nur den Kennern auf.
Das Liebighaus bietet Musik und Museum in einem kleinen Garten voller Statuen am
Museumsufer. Die Musik bewegt sich im gut hörbaren poppigen Weltmuskibereich, die gute
Laune beim Hören unter den schönen alten Bäumen verspricht. Für Verp fl egung wird gesorgt.
Kaum ein anderer Stadtteil Frankfurts hat sich in den letzten Jahren mehr gewandelt als das
Ostend. Als zum Einzug der EZB die Osthafenbrücke gebaut wurde und somit eine neue
Verkehrsachse entstand, musste die alte Honssellbrücke runderneuert werden und so wurden die
Räume unter den Rundbögen zur neuen Heimat des Kunstvereins Lola Montez. Der Hafenpark mit
seinen Skateanlagen und Sportmöglichkeiten entstand. Kunst, Kultur und junge Leute wurden
Nachbarn. ​
Das Montez wurde für die Frankfurter zu einem Ort, zu dem man am Main entlang spazieren kann,
mit dem Fahrrad oder auf Skates kommt, eine Pause bei einem Ka ff ee und einem Kuchen
einlegen kann, und nebenbei ohne Schwellenangst aktuelle Kunstausstellungen von Frankfurter
und internationalen Künstlern anschauen kann. Daneben gibt es Jazzmontez, das sind Musiker
und Jazzfans sowie Mirek Macke, der Betreiber des Kunstvereins , die sich in einem
gemeinnützigen Verein zusammen getan, um frischer Musik mit Bezügen zu Jazz eine Plattform
zu bieten. Eine freie Idee, die bereits ausgezeichnet wurde, die ein junges Publikum begeistert und
altgedienten Jazzern den Zugang zur aktuellen Musik ermöglicht.
Ab dem 21.07. 2022 fi nden an unterschiedlichen Wochentagen 5 Wochen lang bei freiem Eintritt
HOLIDAY Konzerte mit deutschen und internationalen Musikern und DJs statt. In hoher Qualität
natürlich, dafür sorgt schon die Tatsache, dass es sich bei den gut vernetzten Hauptakteure teils
selbst ausgezeichnete Musiker handelt. Die Konzerte werden uns auf den Fall überraschen. Es
wird sicherlich nicht alles jedem gefallen, aber es wird auf keinen Fall gefällig und bisher
ungehörtes ist nicht unerhörtes. Von einigen Akteuren wird man in den nächsten Jahren sicherlich
hören, und dann kann man sagen, ich war dabei, als sie das erste Mal in Frankfurt gespielt haben,
das war vor dem Montez.
Bei den Konzerten verwandelt sich die gep fl asterte Terrasse vor den Rundbögen zur Bühne. Die
Treppenstufen hoch zur Brücke dienen als Sitzreihen, meist gibt es noch aus
zusammengestapelten Bierkisten gebastelte Sitzgelegenheiten, darauf Kissen mit Montezdesign.
Der steinerne Panther am Ende des Brückengeländers schaut gelassen in Richtung Bühne. Auf
dem Main schiebt sich vielleicht gerade ein langes Frachtschi ff in die Öse zum Osthafen hinein. F
Wem es auf der Treppe zu eng ist, der begebe sich zu den Zaungästen nach oben auf die Brücke.
Der Blick schweift auf die Bühne, dahinter der Hafenpark, rechts die EZB, und im Hintergrund die
Frankfurter Skyline mit ihren Brücken und Türmen und dann geht vielleicht gerade noch die Sonne
unter, die Musik geht in die Beine. Willkommen in der schwingt mit der Musikloge mit der besten
Aussicht der Welt. Mehr Chill geht nicht!
In diesem Sinne freue ich mich auf einen wunderbaren Konzertsommer!
Ingrid Schä fl ein ​